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MOIN, LUTZ, KOBERER FOR THE GOOD

Ich bin in Unterfranken geboren, gelernter Koch und habe meinen beruflichen Weg über viele Stationen geführt: vom Restaurant-Direktor und Catering-Manager über Produktverkaufsleiter und Produktentwickler bis hin zum Politiker und Philantropen. Mit Legasthenie, nicht als Makel, sondern als Teil meiner Persönlichkeit. 

Mein Leben hat mich früh nach Hamburg gebracht – und seit über vier Jahrzehnten ist diese Stadt, besonders St. Georg, mein Zuhause. Ich lebe seit 40 Jahren in diesem bunten, vielfältigen, manchmal lauten, immer lebendigen Stadtteil. In dieser Zeit habe ich St. Georg in all seinen Facetten erlebt: Entwicklungen zum Guten und leider auch zum Schlechten. Doch das, was mich bis heute trägt, ist das Miteinander. Dass sich Menschen für den Stadtteil engagieren – im Bürger- oder Einwohnerverein, bei der IG Steindamm, der Aidshilfe, BASIS e. V., Hein & Fiete, im Schorsch, in Kirchengemeinden oder in der Muslimischen Gemeinschaft.

HAMBURG IM HERZEN.

 

Der Politiker

1997 war ich Wahlkampfleiter der SPD Hamburg – und wurde anschließend der erste offen schwule Abgeordnete einer SPD-Fraktion in Deutschland. Das war nicht nur politisch, sondern auch persönlich ein großer Schritt. In dieser Zeit durfte ich an wichtigen Fortschritten für die Gleichstellung mitarbeiten: Die „Hamburger Ehe“, die wir gemeinsam mit den Grünen durchsetzten, war ein frühes Signal für das, was später in die Lebenspartnerschaft und schließlich in die „Ehe für Alle“ mündete. 

Auch beim Auskunftsrecht im Krankenhaus oder beim Aufenthaltsrecht binationaler Paare sowie im schwul-lesbischen Tourismus der Hansestadt konnten wir Verbesserungen erreichen.

 

Nach einer kurzen Pause kehrte ich 2004 noch einmal in die Bürgerschaft zurück. In der Opposition habe ich mich weiter klar für Gleichstellung eingesetzt – und z. B. die Kürzungen in der AIDS-Prävention deutlich kritisiert. Als gesundheitspolitischer Sprecher kämpfte ich unter anderem gegen den Verkauf der städtischen Krankenhäuser. Parallel engagierte ich mich in der SPDqueer für die Rechte der LGBTIQ*-Community, im Distriktvorstand insbesodere für St. Georg. 

2008 sagte ich ‚Klei mi ann Mors‘ – aber meine Haltung, meine Stimme und mein Engagement für meine Partei habe ich nie abgegeben.

DER REGENBOGENMANN

DSC05461 - Copyright Julian Ebinal Kopie

Helfen ist der direkteste Weg zu Freude und Glück. 1992 habe ich gemeinsam mit Willi Prange den Verein big spender e. V. gegründet, Deutschlands erster Fundraising-Verein – damals ein Herzensprojekt, das mehr als 3 Mio. Euro für AIDS-Hilfe-Projekte sammeln sollte. Und damit auch die Anschubfinanzierung über 1,2 Mio. Euro für Hamburg Leuchtfeuer ermöglichte. 

Erst als Vorstandsvorsitzender, später als Büroleiter, habe ich diese Arbeit viele Jahre begleitet. Seit 2003 bin ich Mitglied der Aidshilfe Hamburg und durfte von 2008 bis 2021 ehrenamtlich im Aufsichtsrat mitarbeiten – ein Engagement, das mich bis heute prägt.

2014 habe ich gemeinsam mit der Aidshilfe die Hamburgische Regenbogenstiftung ins Leben gerufen. Die Stiftung stärkt die Aidshilfe Hamburg, fördert Jugend- und Aufklärungsarbeit, unterstützt Menschen mit HIV im Alltag und Arbeitsleben, baut Diskriminierungsbarrieren ab, stärkt migrantische Communities und entwickelt Projekte wie ein Regenbogenhaus für queeres Leben im Alter. Von der Gründung bis 2021 war ich Vorstandsvorsitzender dieser Stiftung – eine Zeit voller Verantwortung, aber auch voller bewegender Begegnungen.

Auch in St. Georg habe ich mich lange engagiert – von 2005 bis 2011 im Vorstand des Bürgervereins von 1860 zu St. Georg

Darüber hinaus bin ich politischer Impulsgeber und Netzwerkarchitekt bei together.Hamburg – einer Initiative im Rahmen des Hamburger Masterplan Integration. Wir fördern Patenschaften, Begegnungsprojekte und kulturelle Formate, die jungen Geflüchteten eine echte Chance geben, in dieser Stadt anzukommen.

Seit 2024 unterstütze ich das Jewish Chamber Orchestra Hamburg als Adviser und Koberer for the Good. Dort werbe ich Unterstützer:innen ein, nutze meine Kontakte, baue Brücken zur Wirtschaft und stärke Netzwerke. Vor allem aber setze ich mich gemeinsam mit dem Orchester gegen Antisemitismus und Rechtsextremismus ein. Das ist mir zutiefst wichtig. 

Manchmal braucht es ungewöhnliche Wege, um Haltung zu zeigen – deshalb habe ich 2024 als MC Fischkopp den Rap „A*sch hoch statt Arm hoch“ veröffentlicht.  Gegen Hass. Gegen Homophobie. Gegen Antisemitismus. Gegen Frauenfeindlichkeit. Für Menschlichkeit. Nich‘ schnacken, machen.

Ich erhielt 2019 das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse und 2002 das Bundesverdienstkreuz am Bande. 2021 wurde ich mit dem Pride Award geehrt und zum Ehrenvorsitzenden der Hamburgischen Regenbogenstiftung ernannt.